Werden die Stadtwerke zum Klimasünder?

Themengebiet:
Energiewende

Münster, den 17.10.2007: Greenpeace Münster zeigt sich enttäuscht von der soeben bekannt gewordenen Entscheidung: Der Aufsichtsrat der Stadtwerke empfiehlt dem Rat der Stadt Münster die Beteiligung der Stadtwerke an dem geplanten Kohlekraftwerk von RWE in Hamm. Die Beteiligung der Stadtwerke soll mindestens 20 Jahre lang dauern, das Kohlekraftwerk bis zu 45 Jahre betrieben werden.

„Wir können uns nicht mehr überlegen wie wir vielleicht in 20 Jahren das Klima retten, so viel Zeit haben wir alle nicht. Der Klimawandel steht vor der Tür: Jetzt! Er ist nichts weit entferntes mehr, was keinen von uns betrifft. Stürme wie Kyrill beweisen das.“ so Sabine Baumkötter, Pressesprecherin von Greenpeace Münster. „Durch die Beteiligung an einem neuen Kohlekraftwerk würden die ehemals umweltfreundlichen Stadtwerke einen Schritt in Richtung Klimakatastrophe machen. Sie zeigen, dass sie, obwohl sie Gewinne machen, lieber in ein klimaschädliches Kraftwerk investieren, als sauber zu bleiben.“

Die Argumentation der Stadtwerke, die Beteiligung an dem Kraftwerk würde nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Stadtwerke verbessern, sondern auch CO2 einsparen, hält Greenpeace für falsch:
„Der Neu- und Ausbau der Kohlekraftwerkkapazitäten in Deutschland geht letztlich zu Lasten der Umwelt, und dass für die nächsten 40 bis 50 Jahre!“ so Baumkötter weiter. „Es mag sein, dass aktuell neue Kohlekraftwerke attraktiv erscheinen, jedoch können wir uns derartige CO2-Schleudern nicht für eine solch lange Zeit leisten. Erst recht nicht wenn die bundesweit gesetzten Klimaschutzziele erreicht werden sollen.“ Mit der Erhöhung des Wirkungsgrades des Kraftwerks Hamm um 10 % geht eine Erhöhung der Kraftwerksleistung auf mehr als 250 % der bisherigen Leistung einher. Dies führt zu einer Verdopplung des CO2 Ausstoßes am Standort Hamm.
Die Wettbewerbsfähigkeit von Kohlekraftwerken kann bei der aktuellen Veränderlichkeit der Energie- und Rohstoffpreise schlecht abgeschätzt werden. Insbesondere ist nicht klar ob in Zukunft die vermehrte CO2 Emission von Kohlekraftwerken nicht durch z.B. die kostenpflichtige Vergabe von Emissionszertifikaten bedeutend weniger rentabel wird als unter aktuellen Umständen. Nicht umsonst möchte RWE das Investitionsrisiko auf möglichst viele Schultern verteilen.

Momentan kaufen die Stadtwerke ca. 54 Prozent ihres Stroms an der Strombörse, während sie die restlichen rund 46 Prozent mit eigenen Anlagen wie dem umweltfreundlichen Gaskraftwerk am Hafen produzieren. Münster wurde auch deshalb zur Bundeshauptstadt im Klimaschutz gewählt.

Wie eine Energiewende in Deutschland ohne den Neubau von Kohlekraftwerken und mit schnellem Atomausstieg möglich ist zeigt die von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie „Plan B“.

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