Greenpeace Münster sammelt Steine für echte Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee

Themengebiet:
Meere
  • Als Garnele verkleideter Aktivist sammelt Unterschriften auf Kieselsteinen für das „Sylter Außenriff“
  • Als Garnele verkleideter Aktivist ist im Schleppnetz gefangen
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Münster, 30.08.2008 – Eine Garnele watschelt auf der Ludgeristraße auf und ab. Mit Stift und Stein in der Hand bittet sie die Passanten ein paar Sekunden für die Nordsee zu geben indem sie die Kiesel gestalten oder signieren. Hinter einem Infostand ragt ein Netz hervor. Ein riesiger Stein hält es am Boden. Mit dieser Mitmach-Aktion unterstützt die Greenpeace-Gruppe Münster die Arbeit ihrer Kollegen auf der Nordsee. Dort schützen Greenpeace-Aktivisten mit tonnenschweren Natursteinen ein Gebiet in der Deutschen Bucht, das „Sylter Außenriff“, vor der Zerstörung durch die Fischerei. Der Grund: Das Areal wird durch Schleppnetze sowie schwere Saugbagger für den Abbau von Sand und Kies bedroht, obwohl die Bundesregierung es als Naturschutzgebiet ausgewiesen hat. In Münster bittet jetzt die lokale Greenpeace-Gruppe die Bevölkerung um Hilfe: Soviele Kieselsteine wie möglich sollen beschriftet werden, um sie zu einem späteren Zeitpunkt gesammelt Umweltminister Sigmar Gabriel überreichen zu können. Damit soll den Greenpeace-Forderungen Nachdruck verliehen werden.

„Wir müssen jetzt handeln, das Meer muss endlich geschützt werden“, fordert Mitja Busch, Meeresexperte der Greenpeace-Gruppe Münster. „Die Fischer schaden sich mit ihren zerstörerischen Fangtechniken selbst. Wer heute alles wegfängt, wird morgen leere Netze haben.“

Besonders verheerend wirken sich Schleppnetze aus. Die Fischer ziehen sie über den Meeresgrund und durchpflügen damit den Boden. „Die Bundesregierung muss Fischerei, Sand- und Kiesabbau in den Schutzgebieten verbieten. Nur so lassen sich Arten und Lebensräume schützen. Nur so haben die Fischbestände eine Chance sich zu erholen,“ sagt Busch weiter.

Das „Sylter Außenriff“ ist eines der seltenen Steinriffe in der Nordsee. Die Steine ermöglichen vielfältiges Leben: Angefangen von Tieren, die auf ihnen festsitzen, über Fische, die zwischen ihnen Nahrung und Schutz finden, bis zu Schweinswalen, die vor allem zur Paarung und Geburt in das Schutzgebiet kommen. Während dieser kräftezehrenden Phase finden die in Europa am stärksten bedrohten Wale dort ausreichend Nahrung. Bedrohte Fischarten im „Sylter Außenriff“ sind Finte und Flussneunauge. Intakte Schutzgebiete wirken wie eine Atempause für die Meere. Fischbestände können sich in Schutzgebieten erholen und Fischer künftig außerhalb dieser Gebiete wieder mehr Fisch fangen.

Deutschland hat sich wie die meisten Länder der Welt im Rahmen der Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) vepflichtet, den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten und ein weltweites Netzwerk von Schutzgebieten zu errichten. Zusätzlich muss Deutschland durch die Anfang 2008 verabschiedete Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie einen „Guten Umweltzustand“ der Europäischen Meere bis zum Jahr 2020 erreichen.

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