Flammender Protest

Bundesweit demonstriert Greenpeace gegen anstehende Castortransporte

Themengebiet:
Energiewende
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Münster, 05.11.2011 – Greenpeace Münster demonstriert heute mit einem großen X aus etwa fünfhundert brennenden Teelichtern ab 18:00 Uhr in der Stubengasse gegen den für das erste Adventswochenende geplanten Castortransport nach Gorleben. Zeitgleich findet die Aktion in 39 Städten in Deutschland statt. Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu bewegen, sich an einer Großdemonstration in Dannenberg am 26.11. zu beteiligen.

„Diesen Transport zu genehmigen, ist unverantwortlich!“, sagt Jondalar Kuß, Pressesprecher von Greenpeace Münster. „Der Strahlengrenzwert am Zwischenlager Gorleben wird in diesem Jahr überschritten. Die niedersächsische Landesregierung setzt sich hier über Recht und Gesetz hinweg“ Greenpeace hat vergangene Woche nachgewiesen, dass das zuständige niedersächsische Umweltministerium erhebliche Fehler bei der Berechnung der Strahlengrenzwerte gemacht hat. Eine Analyse der unabhängigen Umweltschutzorganisation ergab für das Jahr 2011 eine Strahlung oberhalb des Grenzwertes von 0,3 Millisievert pro Jahr. Dies hätte zu einem Einlagerungsstopp für weiteren hochradioaktiven Atommüll führen müssen. Das Ministerium ignorierte allerdings diese Berechnungen und gab bekannt, dass der nächste Castortranport rollen dürfe.

Alle Jahre wieder

Ab 15:00 Uhr informieren die Aktivisten zuvor in der Innenstadt an einem adventlich gestalteten Stand über die jährlich wiederkehrenden Castortransport. Die münsteraner Bürger können sich an einem Adventskranz mit einer Botschaft oder ihrer Unterschrift mit dem Protest solidarisch erklären.

Wenige Meter vom Zwischenlager entfernt erkundet die Bundesregierung den Salzstock Gorleben als Enlager. „Mit jedem Castortransport wird der Salzstock Gorleben als Endlagerstandort zementiert. Das dürfen wir nicht zulassen.“, so Kuß. Gorleben ist aus geologischen Gründen als Endlager ungeeignet. Für den Salzstock gab es nie ein wissenschaftliches Auswahlverfahren. Unter dem Salzstock liegt das größte Erdgasvorkommen Deutschlands, darin gibt es bereits Laugenvorkommen. Ein sicherer Einschluss radioaktiver Stoffe kann nicht gewährleistet werden. Trotzdem halten Atomindustrie und Politik seit über 30 Jahren an diesem Standort fest.

Am 24. November soll nun der Transport von elf Castorbehältern aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins niedersächsische Wendland starten. Jeder Castor beinhaltet ein mehrfaches der Radioaktivität, die bei dem Super-GAU in Fukushima in die Umwelt gelangt ist. Ab 2014 sollen außerdem weitere Transporte aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (England) folgen.

Das gelbe X ist schon seit etwa 30 Jahren ein Symbol für den Protest gegen die Atomkraft im Wendland. Der Tag X bezeichnet ursprünglich das Ankunftsdatum eines Castortransports. Heute ist es zu einem verbreiteten Erkennungszeichen der Anti-Atom-Bewegung geworden.