Fische flüchten auf der Ludgeristraße

Greenpeace Münster informiert über Fischkonsum und verteilt lokalen Einkaufsratgeber

Themengebiet:
Meere
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Münster, 25. Februar 2009 – Ein Fischer im leuchtend gelben Friesennerz steht auf der Ludgeristraße gegenüber von Thalia und reibt sich erwartungsvoll die Hände. Er hofft auf einen großen Fang. Zwei unschuldige Meeresbewohner tümmeln sich unter den Fußgängern. Eine Makrele und ein Kabeljau geraten dem Fischer ins Netz. Mit diesem Straßentheater machen Greenpeace-Aktivisten am Mittwochnachmittag auf die desolate Lage der weltweiten Fischbestände aufmerksam. So fordern sie jeden Verbraucher dazu auf sich beim Einkauf für vertretbare Arten aus unbedrohten Beständen zu entscheiden.

„Gerade der Kabeljau ist ein abschreckendes Beispiel für Überfischung. In der Ostsee gehörte er früher zu den sogenannten ‚Brotfischen‘, weil es so viel von ihm gab. Heute allerdings sind die meisten Bestände durch die Überfischung bedroht“, erklärt Mitja Busch, Meeresexperte von Greenpeace Münster. „Wir dürfen und können nicht darauf warten, dass die Politik oder die Fischereikonzerne endlich handeln. Wenn das geschieht, kann es schon längst zu spät sein. Deswegen ist es wichtig, dass wir alle beim Fischeinkauf aufpassen. Wir fordern jeden Bürger dazu auf, nur vertretbare Fischarten aus unbedrohten Beständen zu kaufen“.

Dass das möglich ist, zeigt der Fischratgeber von Greenpeace. Dieser enthält u.a. die in Deutschland am meisten verzehrten Fische sowie zunehmend angebotene Fische. Fischarten, die nicht nachhaltig befischt werden, sind rot gekennzeichnet, akzeptable Fischarten blau. Nachhaltig ist Fischerei für Greenpeace zum Beispiel, wenn sie die Fischbestände in biologisch vertretbaren Grenzen hält. So sollte man auf Seehecht, Scholle und Rotbarsch lieber verzichten. Akzeptabel hingegen sind Pangasius, Makrele und Hering. Wo man in Münster entsprechende Fischprodukte kaufen kann, zeigt der extra für Münster erstellte Fischführer. Dieser führt für die meisten ortsansässigen Supermärkte 2-3 akzeptable Fischprodukte auf und macht so einen bewussten Fischkonsum ganz einfach.

Dass ein solch bewusster Einkauf nötig ist, belegt auch die Welternährungsorganisation (FAO). Sie schätzt, dass von den weltweit kommerziell genutzten Fischbeständen 52 Prozent bis an ihre Grenze genutzt, 17 Prozent überfischt und sieben Prozent bereits erschöpft sind. Wissenschaftler warnen, dass große Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch oder Kabeljau bereits zu 90 Prozent dezimiert sind, und prognostizieren einen Kollaps der kommerziell genutzten Fischbestände bis zum Jahr 2048.

Zusätzlich zu den Fischführern verteilen die Aktivisten Rezeptkarten. Diese liegen auf Tellern an ihrem Infostand. Die Rezepte zeigen, dass man auch mit den akzeptablen Fischarten schmackhafte Gerichte kochen kann. Denn, so erklärt Busch: „Wir verlangen ja nicht, dass die Leute ganz auf Fisch verzichten. Wir fordern sie nur dazu auf, jetzt vernünftig einzukaufen, damit sie auch in Zukunft noch Fisch essen können.“