Welle machen gegen Plastikmüll

Media

Umweltaktivist*innen organisieren in 62 Städten Aufräumaktionen an Ufern

Münster, 19. 3. 2016 – Unter dem Motto #wellemachen demonstrierten in einer bundesweiten Aktion Greenpeace-Ehrenamtliche gegen die zunehmende Vermüllung der Meere. Die Aktivisten sammelten dazu bereits am 12.03. am Ufer des Dortmund-Ems-Kanals den Plastikmüll, den sie nun in der Ludgeristraße in Münster präsentierten. „Wir krempeln die Ärmel hoch als Zeichen für den Meeresschutz“, sagt Sandra Schöttner, Meeresexpertin von Greenpeace. „Egal ob an der Ostsee oder in den Alpen: Plastik gelangt oft über die Flüsse ins Meer. Dort verrottet es nicht, sondern belastet für mehrere hundert, wenn nicht tausende Jahre die Ökosysteme.“

Plastikmüll treibt in riesigen Müllstrudeln durch die Meere und sammelt sich selbst an entlegenen Stellen wie Tiefseegräben oder der Arktis. Der meiste Plastikabfall gelangt aus China, Indonesien und weiteren asiatischen Ländern ins Meer. Doch auch Deutschland ist Teil des Problems: Deutsche verbrauchen mit Abstand das meiste Plastik in der EU – ein Viertel der Gesamtmenge. Laut offiziellen Angaben werden 57 Prozent des deutschen Plastikmülls verbrannt, 42 Prozent recycelt und nur ein Prozent deponiert. „Zwischen unserem Plastikverbrauch und dem Plastikmüll klafft eine verdächtige Lücke von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr“, so Schöttner. „Wo landet dieses Plastik, wenn es nicht verbrannt oder recycelt wird? Bestimmt auch in der Umwelt, wo es zum Problem wird.“

Ozeane verkommen zum Plastikendlager

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangen jedes Jahr weltweit alleine von Land aus ins Meer. Dort werden Plastikteile zur tödlichen Falle für viele Meereslebewesen wie Seevögel, Schildkröten oder Delfine: Diese verheddern sich darin und ertrinken – oder verwechseln sie mit Nahrung. Auch im Magen eines der kürzlich an der Nordseeküste gestrandeten Pottwale fanden Wissenschaftler ein Fischernetz. Plastik macht mittlerweile über die Hälfte des Mülls an den Stränden der Nord- und Ostsee aus.

Der Wellengang und die UV-Strahlung zerkleinern den schwimmenden Plastikmüll in mikroskopisch kleine Teilchen – sogenanntes Mikroplastik. Doch auch in Kosmetika steckt Mikroplastik in Form von winzigen Perlen oder Granulaten. Zu klein, um aus unseren Abwässern gefiltert zu werden, gelangen diese über die Flüsse ins Meer. Dort sammeln sich an den Partikeln Umweltschadstoffe, teils in hoher Konzentration. Forscher haben längst Mikroplastik in Plankton, Muscheln und Garnelen nachgewiesen – auch in Nordseefischen wie Makrele, Hering oder Flunder. So landen giftige Plastikabfälle über die Nahrungskette unter Umständen wieder auf unserem Teller.

Verbraucher*innen und Politik können ihren Teil beitragen, denn vielerlei Plastik lässt sich aus unserem Alltag verbannen: an erster Stelle Mikroplastik in Kosmetika, aber auch typisches Wegwerfplastik wie Einwegflaschen, To-Go-Kaffeebecher, Verpackungen oder Einwegtüten. Die Deutschen verwenden beispielsweise pro Jahr 76 Plastiktüten, nicht eingerechnet die dünnen Obst- und Gemüsebeutel. „Viel zu viele“, sagt Schöttner. „Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung gegen Einwegtüten – sowie ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie und Händler reichen nicht.“

Greenpeace fordert:

  • Ein Netzwerk von großflächigen Meeresschutzgebieten, das mindestens 40 Prozent der Meere umfasst
  • Ein sofortiges Verbot jeglicher Art der Tiefseeausbeutung auf Hoher See
  • Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-(FFH)Richtlinie auf nationaler Ebene
  • Umsetzung der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie auf nationaler Ebene: Bis 2020 sollen 10 % der Meere Schutzgebiete sein (40% wären GP-Wunschvorstellungen)
  • Weg von der linearen Wegwerfwirtschaft hin zur echtenKreislaufwirtschaft
  • Senken des Plastikverbrauch nach den 5 R-Prinzipien: Refuse, Reduce, Reuse, Repurpose, Recycle (d.h. Vermeiden, Reduzieren, Wiederverwenden, mit neuem Zweck einsetzen, Recyceln)
  • gesetzliches Verbot von Einwegtragetaschen (d.h. der „klassischen“Einkaufstüten an der Kasse)
  • gesetzliche Besteuerung von dünnwandigen Knotenbeuteln (z.B. Obst-&Gemüsetüten)
  • gesetzliches Verbot von Mikroplastik in Kosmetika (kurzfristig)
  • gesetzliches Verbot von sämtlichen Plastiksubstanzen in Kosmetika (langfristig)

 

© F. Weller, L. Naendrup-Poell, C.Weber

Publikationen

Weiterführende Links

Beluga in Münster
Beluga Tour 2016
Die Meere brauchen Schutz
Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee
Einkaufsratgeber Fisch

Tags