Resümee: Mauthe Show

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Am Donnerstag war es soweit, Markus Mauthe präsentierte den 270 Besuchern im H3 seine neuste Multivisions-Show „Europas wilde Wälder“. Zweieinhalb Jahre war er dafür mit seiner Kamera unterwegs und hat im Auftrag von Greenpeace die Schönheit und Artenvielfalt der europäischen Wälder, mit ihren uralten immergrünen Kiefern, Fichten und Birken, sowie auch den Urwaldresten der gemäßigten Breiten mit seinen alten Laubbaumbeständen auf Bildern festgehalten.

Um 20:05 Uhr ging dann im vollen Hörsaal das Licht aus, denn auch der letzte mögliche Sitzplatz auf dem Boden wurde ausgereizt.
Eingeleitet wurde der Vortrag durch eine traurige Bilanz: Über 80 % unserer Urwälder sind bereits durch den Menschen zerstört worden und wenn wir nicht handeln und unseren Konsum einschränken und das was uns geblieben ist schützen, wird es dem Rest auch so ergehen.
Europa einst sehr waldreich wurde durch die Besiedlung weiter Flächen und die forstliche Nutzung fast vollständig in Plantagenwald, Felder und Städte umgewandelt. Noch gibt es Urwaldreste in Europa, die Größten davon im Norden im waldreichsten Land der Erde, Russland. Dann folgen beeindruckende und einzigartige Aufnahmen der borealen (nordischen) Wälder. Atmosphärisch in Szene gesetzte Naturlandschaften, unberührte Schneedecken, Uralte Fichten und Kiefern, die sich in der Oberfläche eines Sees spiegeln und ein Ausschnitt der Artenvielfalt der Taiga (so der Fachbegriff für die Wälder Nordeurasiens). Er zeigt Tier- und Pflanzenarten die es einst auch in unseren Breiten gegeben hat, und an den Rand Europas verdrängt worden sind. Fesselnd berichtet Markus von Begegnungen mit Braunbären, erzählt wie er im Fotoversteck ausharrte, um einen Steinadler zu fotografieren oder über das Warten auf das richtige Licht für eine Aufnahme auf einem sonnenbeschienenen Gipfel.
Besonders beeindruckend war, als er von den Wölfen berichtete. In den 80er Jahren in Europa nahezu ausgerottet, wandert der Wolf heute wieder durch Europas Wälder, jedoch meist ungesehen, denn anders als die Märchen es uns glauben lassen wollen, ist der Wolf ein sehr scheues Tier, was den Menschen meidet.
Den Zuschauern entlockt es im Laufe des Abends immer wieder ein leises Staunen, wenn ein besonders beeindruckendes Bild die Leinwand erhellt. Die mal leisen mal lauten, aber immer passend wirkenden Musikstücke Kai Arends verstärken diese Emotion und es ist fast so als ob man selbst dort gewesen ist.
Dabei erwähnt Markus Mauthe immer wieder, wie wichtig Primärwald, also Urwald ist. Er stellt eine entscheidende Kohlenstoffsenke dar und weist eine hohe Artenvielfalt auf. Wälder in denen der natürliche Kreislauf noch vollzogen werden kann, also auch Totholz existiert, sind besonders wertvoll und können fast doppelt soviel CO2 speichern wie forstwirtschaftlich genutzte Plantagenwälder. Außerdem sind sie Heimat vieler gefährdeter Tier und Pflanzenarten. Sie sind besonders resistent gegen Waldbrände, Käferplagen und können sich besser auf Klimaveränderungen einstellen. Sie können uns außerdem zeigen, wie die Natur mit Problemen und Widrigkeiten umgeht und uns so helfen aktuelle Schwierigkeiten und Klimaprobleme zu lösen. Wie wenig uns noch von solchen Wäldern geblieben ist, zeigen Bilder von Kahlschlägen, Forststraßen und Plantagen, die ein hart in die Realität zurück holen und erkennen lassen, wie inselartig diese Naturwälder geworden sind.

Der zweistündige Vortrag, der durch eine Pause unterbrochen wird, bietet dabei immer auch die Möglichkeit über sein eigenes Verhalten nachzudenken. Denn der maßlose Konsum von Holz, Papier, Biomasse und anderen Produkte, die aus Wäldern gewonnen werden, ist einer der Hauptgründe für den anthropogenen Klimawandel (von Menschen verursachter Klimawandel) und das weltweite Artensterben.
Markus zeigt dabei nicht nur die Probleme auf, er bietet auch Lösungsvorschläge, w.z.B. den Stromanbieter wechseln, Recyclingpapier, statt Frischfaserpapier und beim Holzkauf auf das FSC (Forest Stewardship Council) - Siegel achten. Wichtig ist auch das man nicht durch falsche Umweltversprechen sein Gewissen erleichtert. Er verwies dabei z.B. auf den sogenannten Bio-Sprit, der genau das Gegenteil von dem erreicht, was er eigentlich leisten soll. Für den Treibstoff werden Waldgebiete vernichtet und durch Mais oder Palmöl-Plantagen ersetzt. Die Folgen sind oft katastrophal.
Während der Pause konnten sich die Besucher dann auch an unseren Ständen über das Thema Wald und Greenpeace Münster bei unseren vielen Ehrenamtlichen informieren. Zusätzlich hatte man bei Markus die Möglichkeit Fördermitglied zu werden, verschiedene Bücher von ihm zu erwerben oder einfach nur die letzten Eindrücke zu verarbeiten.
Der zweite Teil umfasste dann die Wälder der gemäßigten Klimazone. Markus zeigte Bilder von bunten Blumenwiesen und Urwaldrelikten in Spanien, Italien, der Schweiz, Österreich und Belgien. Meist ist nur noch Bergwald mit Urwald- Charakter auf schwierig wirtschaftlich zu nutzenden Flächen vorhanden. Zeigte Ausschnitte aus den letzten Buchenurwäldern Europas wie in Rumänien und Kroatien und einen der wenigen Tieflandurwälder in Nationalpark Bialowieza in Polen. Dabei berichtete er, wie er versuchte Bilder der letzten großen Wisentherde zu machen. Zum Schluss ging die Reise in unsere heimischen deutschen Wälder. Auch hier wurde, wie in den Mittelmeerländern die meisten Urwälder abgeholzt, gerodet oder gegen Fichten/ Kiefern-Plantagen ersetzt und große Teile des einst so waldreichen Landes wurden in Felder umgewandelt. Doch auch in Deutschland gibt es vereinzelt noch Urwaldbestände meistens in einer der 14 Nationalparks. Es folgen beeindruckende Bilder einer ökologischen Waldumwandlung im Nationalpark Bayrischer Wald, wo der Sturm Kyrill die nicht heimischen Fichten umgeknickt hat und neben den umgestürzten Bäumen setzt sich der natürliche Wald wieder durch.
Zufrieden und gleichzeitig sensibilisiert treten die Besucher die Heimreise an und wir verabschieden Alle mit einem Durchweg positiven Ergebnis: ca. 270 Besucher, 16 neue Fördermitglieder und eine große Mengen an Spendengeldern, sowie ein absolut gelungener Vortrag. Der Abend wird bestimmt eine Wiederholung finden.

Ohne menschlichen Einfluss wäre Europa mit dichten Urwäldern überzogen. Intensive Landnutzung verdrängte die natürliche Vegetation. Naturwälder verschwanden und wurden zu Siedlungsgebieten, Ackerflächen und Forstwäldern. Urwälder existieren heute nur noch bruchstückhaft als Inseln in einer von Menschen geschaffenen Kultur- und Industrielandschaft. Setzt man die noch vorhandenen Teile aber wie ein großes Puzzlespiel Stück für Stück zusammen, so offenbart sich eine ungeheure Vielfalt und Schönheit, welche als Erbe europäischer Wildnis gleichzeitig Geschenk und Chance für kommende Generationen ist.
Greenpeace fordert daher den Schutz von mindestens fünf Prozent der Waldlandesfläche, damit der artenreiche Lebensraum Wald sich erholen und so auch zur Stabilisierung des Klimas beitragen kann.
Deutschland muss international seinen Beitrag erfüllen und als Stammland der Rotbuche, alle Buchen die über 140 Jahre alt sind schützen und 10% seiner staatlichen Wälder aus der wirtschaftlichen Nutzung nehmen. Als Weltnaturerbe von der UNESCO ausgezeichnet, bildet Deutschland zusammen mit den Karpaten ein international wichtiges Verbreitungsgebiet der Buchenwälder, zusammengefasst unter dem Titel:
„Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“

Bald ausgeBUCHt?

Der größte Teil der alten Buchen- und Laubwälder Deutschlands befindet sich in Bayern. Doch auch dort werden diese alten Wälder eingeschlagen. Protestieren Sie! Fordern Sie den bayerischen Staatsminister Huber auf, die Sägen zu stoppen!

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