Raus aus der Tiefsee

Media

Greenpeace Münster protestiert vor Aral-Tankstelle

Münster, 15.07.2010 – Ein Banner prangt vor der Araltankstelle Ecke Steinfurter Straße / Wilhelmstraße. Es erklärt, dass Aral eine Tochtergesellschaft von BP ist. Ein weiteres Banner fordert den Rückzug aus der Tiefsee-Ölförderung. So demonstriert Greenpeace Münster gegen die Pläne der Ölkonzerne, trotz der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, weiter Ölvorkommen der Tiefsee auszubeuten. Interessierte haben die Möglichkeit per Unterschrift gegen das Vorgehen von BP zu demonstrieren und sich zu informieren. Die Brisanz der Forderungen zeigt sich daran, dass ein Bezirksgericht in Louisiana vergangene Woche das von US-Präsident Barack Obama verhängte Moratorium auf Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko aufhob.

„Die Ölkonzerne wollen keine Konsequenzen aus der Katastrophe ziehen. Sie dringen weiter in die Tiefsee vor, als wäre nichts geschehen“, sagt Mitja Busch, Meeres-Ansprechpartner der Gruppe Münster. „Offensichtlich ist jedoch, dass die Ölausbeutung in der Tiefsee nicht beherrschbar ist. Sie bedrohen Mensch und Natur und wirken sich im Unglücksfall verheerend auf das Meer und seine Bewohner aus.“

Wie Shell-Chef Peter Voser erst kürzlich erklärte, will sein Konzern zukünftig verstärkt in der Tiefsee nach Öl bohren. BP-Deutschland äußert sich weder zum Unfall im Golf von Mexiko, noch dazu, ob der Konzern aus der Tiefsee-Ölförderung aussteigt. Auch der Esso-Konzern, eine Tochtergesellschaft von Exxon Mobil, hat sich bislang nicht zu seinen weltweiten Tiefseeprojekten geäußert. Greenpeace hat am Dienstag einen offenen Brief an alle in Deutschland vertretenen Ölkonzerne geschickt mit der Aufforderung, sich klar zu einem Rückzug aus diesen Projekten zu bekennen. „Was für BP gilt, gilt auch für die anderen Ölkonzerne. Die Ölausbeutung in der Tiefsee ist nicht beherrschbar“, erklärt Busch. „Das Maß ist endgültig voll. Die Grenze des technisch Machbaren ist erreicht.“

Es wird immer deutlicher, dass es keine ausreichenden Notfallpläne für solche Katastrophen gibt. Seit mittlerweile zehn Wochen versucht BP vergeblich, den Ölaustritt aus dem Bohrloch im Macondo Ölfeld im Golf von Mexiko zu stoppen. Gleichzeitig werden die Zahlen des austretenden Öls ständig nach oben korrigiert. Inzwischen spricht man von offizieller Seite von bis zu 9500 Tonnen pro Tag. Damit wären seit dem Unglück vom 20. April zwischen 153.000 und 441.000 Tonnen Öl in den Golf von Mexiko ausgetreten. Zum Vergleich: Beim bisher schwersten Ölunfall in den USA, dem Tankerunglück der Exxon Valdez 1989 in Alaska, traten etwa 40.000 Tonnen Öl aus.

Tags