Aktiv für die Agrarwende

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Am Abend des 20. Januar machten sich aus den entlegensten Ecken Deutschlands Jugendliche auf nach Berlin. Auch vier von uns Münsteraner Jugendlichen waren der Einladung zur "Wir haben es satt" Demo am 21.1. in der Bundeshauptstadt gefolgt.

Dies war nun die siebte Demonstration zur Agrarwende in Folge, welche zeitgleich zur "grünen Woche" eine Landwirtschaft fordert , die gerecht für alle ist. Das heißt, eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft, in der Tiere artgerecht gehalten werden, Bauern gerechte Preise erzielen und es einen fairen, internationalen Handel gibt. Eine Landwirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht der Konzerne orientiert, muss her, schliesslich es geht um unsere Zukunft. Wir brauchen eine nachhaltige Landwirtschaft, die nicht von Konzernen (für Saatgut, Düngemitteln, Pestiziden) abhängig ist, die den Boden und das Grundwasser schont, Tieren ein lebenswertes Leben erlaubt und den Bäuerinnen und Bauern Zukunftschancen bietet.

Doch noch setzen die Bundesregierung und die Agrarindustrie auf industrielle Landwirtschaft und steigende Exporte, vor allem von Milch und Fleisch, wodurch Tierschutzstandards sinken und Bäuerinnen und Bauern sowohl hier als auch weltweit in finanzielle Abhängigkeit und teilweise in den Ruin getrieben werden. Das weltweit am meisten genutzte Pestizid Glyphosat von Monsanto wird von der Weltgesundheitsorganisation als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft, der Export von Milchpulver und Fleisch zu Dumpingpreisen zerstört lokale Märkte im globalen Süden, Freihandelsabkommen wie CETA gefährden eine klein bäuerliche Landwirtschaft und beschleunigen so das Höfesterben, rund 70% des in Deutschland verkauften Fleisches wird als Sonderangebot in Discountern zu Niedrigstpreisen verkauft und gentechnisch verändertes Saatgut ist auf dem Vormarsch. So eine Landwirtschaft wollen und können wir uns nicht leisten!

Die Landwirtschaft steht am Scheideweg: Wird unser Essen zukünftig noch von Bäuerinnen und Bauern für den Bedarf einer Region erzeugt oder von Konzernen, die für den Weltmarkt produzieren?

So fanden wir uns also nach einer entspannten Zugfahrt im winterlich frostigen Berliner Hauptbahnhof wieder, wo wir schon auf andere Jugendliche aus Bochum, Frankfurt und Hannover trafen. Wenig später waren wir am Büro von Greenpeace Berlin angekommen, welches unser Nachtquartier werden sollte. Noch am Abend wurden Schilder für die Demo gemalt und Kontakte mit KollegInnen aus ganz Deutschland geknüpft.

Mit ca 30 GP-Jugendlichen ging es dann auf zum Potsdamer Platz, zur Auftaktveranstaltung der Demo. Dort sahen wir so weit das Auge reicht schon eine bunte Menschenmasse mit Schildern und Fahnen, außerdem rückten in der Ferne die ersten Traktoren an. Denn seit den Anfängen der Demo fahren zahlreiche Bauern mit ihren Traktoren vom Heimathof bis nach Berlin, um Aufmerksamkeit für die Dringlichkeit einer Agrarwende zu schaffen und so ihren Forderungen im wahrsten Sinne des Wortes lautstark Kraft zu verleihen.

In verschiedene Blöcke aufgeteilt setzte sich der 18 000 Menschen starke Demozug in Bewegung. Wir landeten im Jugendblock, zusammen mit der BUND-Jugend, WWF-Jugend, Slow Food Youth und vielen weiteren jungen Menschen. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele verschiedene Menschen für eine zukunftsträchtige Landwirtschaft einstehen: Junge, Alte, Frauen, Männer, Familien, Imker, Tierschützer, Umweltschützer, Verbraucherschützer, konventionelle und Biobauern, Menschen mit verschiedensten kreativ gebauten Konstruktionen und Bannern.

An der Rückseite des Brandenburger Tors angekommen, war das Durchkommen schwierig, die Massen stauten sich vor der Bühne der Abschlusskundgebung. Von der Bühne aus tönt ein Sprechgesang auf der Melodie von Bruder Jakob: "Christian Schmidt! Christian Schmidt! schläfst du noch? Schläfst du noch? Hörst du nicht die Demo? Hörst du nicht die Demo? Mach´dein Job! Mach´ dein Job!"  Ein guter Abschluss: wir hoffen die Forderungen der Demonstranten werden vom Landwirtschaftsminister erhört und so endlich auch politische Schritte zu einer nachhaltigen Landwirtschaft eingeleitet. Nur wenn Politik, Verbraucher und Bauern gemeinsam in diese arbeiten  entwickeln, kann es vorwärts gehen - hin zu einer Landwirtschaft die für alle fair ist, für die Bauern hier und weltweit, die Verbraucher, die Tiere und die Erde, die uns ernährt.

Die Forderungen von Greenpeace:

  • eine Landwirtschaft, die die Böden schont,
  • in der Tiere gut gehalten werden,
  • in der Bauern fair bezahlt werden und
  • die dem Klimawandel und Ressourcenknappheit trotzt.
  • eine vollständig ökologisierte Landwirtschaft bis 2050,
  • eine Verringerung des Fleischkonsums und der Fleischproduktion um 50% und
  • die Einführung eines echten Tierwohl-Labels, ähnlich der Kennzeichnung auf Hühnereiern.

 

© H. Haggeney, C. Weber

 

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