Zeit statt Zeugs

Media

"Bake them a cake, write them a poem, give them a kiss, tell them a joke, but for god´s sake, stop trashing the planet to tell someone you care. All it shows that you don´t.”

„Keine Zeit!“, die Aussage kennen wir von Passanten im Shoppingfieber nur zu gut. Vor allem jetzt, wo Weihnachten naht, hat scheinbar niemand mehr Zeit.
Schnell weiter, es müssen schließlich noch die letzten Geschenke besorgt werden. Zeit um sich gemütlich mit Freunden zu treffen, um mit den Kiddies Plätzchen zu backen, Zeit um einmal kurz inne zu halten - geht verloren.

Wozu auch inne halten?

  • Woher das ganze Zeug, was ich in meinen Tüten nach Hause trage kommt?
  • Wer es produziert hat? Unter welchen Bedingungen?
  • Wie viele Ressourcen für das Produkt verbraucht wurden?
  • Wie viel CO2 emittiert?

Das alles sind Fragen, die unangenehm sind. Deshalb hinterfragt man lieber nicht. Man kann sich ja vorstellen, wie die  Antworten darauf heißen.
Dass unser Hunger nach den neusten Konsumartikeln und die durch Werbung und Schnelllebigkeit der Produkte angestachelte Kaufmania in irgendeiner Form „schlecht für die Umwelt“ ist, ist jedem bewusst.

Bis das neue Smartphone unter dem Weihnachtsbaum liegt, wird für die Gewinnung der seltenen Erden, die darin verbaut sind, Kinderarbeit und Ausbeutung endlicher(!) Ressourcen unterstützt, Natur in Wirtschaftsräume umgewandelt und die verschiedenen Teile des Geräts von Kontinent zu Kontinent verschifft.
Die neue Jacke von Marke XY wurde aus Polyester (ehemals Erdöl) und genmanipulierter Baumwolle in einem Billiglohnland unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen hergestellt. Das Plastikspielzeug, mit einer Ladung verschiedener Chemiekalien bestückt, von China hierher geflogen. Soweit bekannt.

Leider scheint all dies uns dennoch nicht großartig zu stören, oder aber haben wir die fälschliche Annahme als einzelner sowieso nichts ändern zu können.
Schaut man auf das große Ganze, stellen wir fest; Wir sind Teil geworden eines ungesunden Kreislaufs aus „kaufen um glücklich zu sein“. Damit unterstützen wir leider ein System, was keineswegs ein Kreislauf ist;

Die Ausbeutung von Ressourcen - Naturräume werden zu Wirtschaftsräumen umgewandelt, Wälder gerodet, dadurch haufenweise CO2 emittiert, Lebensräume zerstört. Die Produktion der Produkte - für möglichst billige Produktionskosten leiden die Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen; Gewässer und die Luft werden durch die Rückstände und Nebenprodukte belastet, Arbeiter trotz Niedriglöhnen in die Abhängigkeit getrieben.

Der Weg bis zum Vertrieb - das Produkt wird um die halbe Welt geschifft oder geflogen, was die Klimabilanz weiter verschlechtert. In der Weihnachtszeit werden (v.a. bei Internet-Versandhändlern) zahlreiche Zeitarbeiter eingestellt, die dann überlange Arbeitszeiten abarbeiten.
Die Lebensdauer des Produktes - endlich bei uns Zuhause angekommen, werden 99% der konsumierten Güter nach einen halben Jahr wieder weggeworfen.

Und so füllen sich hier die Müllhalden oder Müllverbrennungsanlagen mit Zeug, was eigentlich schon bei seiner Produktion Müll war. Ein lineares System, was davon abhängig ist, dass wir immer weiter kaufen. Und noch klappt es gut: an Weihnachten erreicht dieses Phänomen jährlich seinen Höhepunkt. 2017 werden wir pro Kopf im Schnitt 465 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben.

Doch obwohl wir immer mehr kaufen, sinkt die Zufriedenheit. Die Umwelt leidet auf allen Ebenen. Und für uns sind die Samstage in der Adventszeit einfach nur stressig.

Das gute kommt jetzt:

Wir können so einfach dieses wahnsinnige System der Wegwerfgesellschaft verlassen und gleichzeitig alle Leute an Weihnachten beglücken. Zwei Fliegen mit einer Klappe!

Indem wir Zeit verschenken:

Jetzt mal ehrlich, die Nichte freut sich am Weihnachtsabend sicherlich über das 7. Set von Playmobil, aber etwas mit ihr zu unternehmen wäre doch viel einfallsreicher und lustiger! Plätzchen backen, Schlittschuh laufen, auf den Erlebnis Bauernhof fahren…

Auch für die Älteren beschenkten ist ein Abend im Theater oder die Einladung zum Brunchen mit anschließendem Sonntagsspaziergang viel mehr wert als ein kleines, für den Moment lustiges „Gimmeck“, was im Endeffekt doch nur im Schrank verstaubt.

Selbst gemachtes verschenken:

Anders als die kurz vor knapp besorgten Standardgeschenke, zeigen selbst gemachte Dinge wirklich, was wir mit Geschenken doch eigentlich aussagen wollen; Dass die Menschen uns etwas bedeuten.

Wie wäre es also mit selbst gemachter Naturkosmetik?

In hübschen Gläsern und liebevoll beschriftet sieht das Ganze richtig toll aus. Wenn du Bock auf Handwerkeln hast, baue ein Regal oder Bilderrahmen aus recyceltem Holz. Bastele einen Gutschein für eine Fahrradreparatur. Backe Nussecken. Schreibe ein Gedicht oder male ein Bild. Oder schreibe einfach mal auf, was du an der beschenkten Person schätzt.

Das sagt so viel mehr aus, als die zehnte lustig bedruckte Tasse.

© H. Haggeney, C.Weber

 

Tags