Plastik aus der Dose

Media

Münster, 22. Juli 2017. Mikroplastik ist überall. Dies zeigten Greenpeace-Ehrenamtliche am heutigen Infostand. Viele Menschen, die an der Befragung zum Thema Plastik in Kosmetika an unserem Aktionsstand in der Ludgeristraße teilnahmen, waren sich dessen durchaus bewusst. Dass auch Haarsprays betroffen sind, war nur wenigen bekannt.
 
Plastik findet sich nicht nur in Form von Verpackungen oder Plastiktüten in der Umwelt. Denn in der Umwelt zersetzen sich Kunststoffteile unter dem Einfluss von Reibung, Wasser und Sonnenlicht in immer kleinere Teile, an Ende bleiben Mikroplastik- oder Nanoplastikpartikel. Des Weiteren enthalten viele Produkte bereits als Inhaltsstoffe Mikroplastik, beispielsweise Peelings, aber auch Haarpflegeprodukte.
 
Anstatt die Produkte von den problematischen Partikeln zu befreien, leugnen Unternehmen das Problem lieber. So behauptete Henkel vor einigen Wochen, seine Produkte seien plastikfrei. Greenpeace Deutschland nahm dies zum Anlass, eine eigene, an die Werbung von Henkel angelehnte Kampagne zu starten. Mit ironischen Plakaten, die aufzeigen, was bestimmte Schwarzkopf-Produkte tatsächlich enthalten, wurde die Kampagne begleitet. Von Unternehmen gefordert wird, dass klar und verständlich erkennbar ist, welche Inhaltsstoffe enthalten sind. Grundsätzlich gilt, dass Plastik in Kosmetika nichts verloren hat.
 
Dabei sind die Konsequenzen durchaus bekannt. Größere Plastikteile werden über Flüsse ins Meer transportiert und von den im Wasser lebenden Tieren aufgenommen. Dort verursachen sie deutliche Schäden im Verdauungstrakt, sodass die zum Teil Meeresbewohner qualvoll verenden. Faserige Plastikschnüre oder Seile, die zum Beispiel aus abgetriebenen Fischernetzen stammen, werden von Vögeln irrtümlich in ihren Nestern verbaut. Dabei verheddern sich Eltern und Jungtiere und ersticken.  
 
Die mikroskopisch kleinen Kunststoffteilchen gehen ab einer gewissen Größe in die Blutbahn über. Sehr problematisch sind die den Kunststoffen zugesetzten Beimengungen wie Stabilisatoren, Flammschutzmittel und Weichmacher. Letztere wirken hormonähnlich. Sie imitieren beispielsweise weibliche Geschlechtshormone. Dadurch wird die Fruchtbarkeit von Säugetieren beeinträchtigt.  Einige dieser Additive gelten als krebserregend.
 
Neben den Informationen in Papierform konnten die Passanten*innen an einer großen Plakatwand ihr Wissen testen und ihre Meinung kundtun. So wollten wir wissen, ob sie den Produktbeschreibungen der Kosmetika entnehmen konnten, ob Plastik – in fester oder flüssiger Form – enthalten ist, ob sie sich von der Firma Henkel der Verzicht auf Plastik wünschen und ob sie zukünftig den gleichen Artikel ohne Kunststoffe von einem anderen Hersteller bevorzugen würden. Nur einer von 19 Teilnehmer*innen gab an, Kunststoffe zu erkennen, nur einer von würde Henkel die Treue halten. Alle Passanten*innen forderten Henkel zum Verzicht auf.  Die Resonanz war sehr gut. Viele zeigten sich spontan interessiert und nahmen gerne teil.
 

Dies können  Sie selbst tun:

  • Reduzieren Sie privat unnötiges Plastik, achten Sie beim Kauf von Kosmetik auf die Inhaltsstoffe und kaufen Sie mit Ihrem Rucksack, Korb oder Ihrer Stofftasche ein
  • Werden Sie mit aktiv, befreien Sie Ihre unmittelbare Umwelt von Müll
  • Nehmen Sie sich Zeit beim Kaffeetrinken, verwenden Sie Ihren ausspülbaren Thermobecher und vermeiden Sie "To Go Becher"
  • Sammeln Sie Müll und trennen Sie diesen
  • Kosmetika lassen sich auch selbst herstellen, lesen Sie hier wie.
  • Reparieren Sie defekte Produkte, oder lassen SIe sie reparieren, gestalten Sie sie um oder machen Sie Ihr persönliches Upcycling.

 

Die Forderungen:

  • Ein Netzwerk von großflächigen Meeresschutzgebieten, das mindestens 40 Prozent der Meere umfasst
  • Ein sofortiges Verbot jeglicher Art der Tiefseeausbeutung auf Hoher See
  • Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-(FFH)Richtlinie auf nationaler Ebene
  • Umsetzung der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie auf nationaler Ebene: Bis 2020 sollen 10 % der Meere Schutzgebiete sein (40% wären GP-Wunschvorstellungen)
  • Weg von der linearen Wegwerfwirtschaft hin zur echten Kreislaufwirtschaft
  • Senken des Plastikverbrauch nach den 5 R-Prinzipien: Refuse, Reduce, Reuse, Repurpose, Recycle (d.h. Vermeiden, Reduzieren, Wiederverwenden, mit neuem Zweck einsetzen, Recyceln)
  • gesetzliches Verbot von Einwegtragetaschen (d.h. der „klassischen“Einkaufstüten an der Kasse)
  • gesetzliche Besteuerung von dünnwandigen Knotenbeuteln (z.B. Obst- & Gemüsetüten)
  • gesetzliches Verbot von Mikroplastik in Kosmetika (kurzfristig)
  • gesetzliches Verbot von sämtlichen Plastiksubstanzen in Kosmetika (langfristig)

 

© C.Weber, A. R. Ruhe