Katastrophenschutzübung Münster

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Münster, 13.März 2017, 6 Jahre nach der Havarie der Kernreaktoren in Fukushima. Mit dem Klang einer Notfallsirene und dem Geräusch eines Geigerzählers läuteten Greenpeace Aktivisten in Münster mit einer simulierten Katastrophenschutzübung diesen Jahrestag ein. Sie erinnerten gleichzeitig daran, dass wir im Münsterland auch davon betroffen sein können: die alten Schrottreaktoren Fessenheim in Frankreich und Tihange in Belgien sind nicht weit.

Aber auch deutsche Reaktoren sind nicht so sicher wie manche denken mögen. So sind viele nicht ausreichend gegen Flugabstürze geschützt. Erst vor wenigen Tagen sorgte eine Passagiermaschine für die Räumung mehrerer Atomkraftwerke: es hatte sich etwa eine halbe Stunde lang bei keiner Flugsicherung gemeldet. Zudem stammen trotz Atomausstieg und Energiewende viele Kernbrennstäbe aus dem deutschen Gronau wenige Kilometer von Münster entfernt. Nicht vergessen werden sollte die stetig anwachsende Menge an Atommüll, für die es in Deutschland noch kein Endlager gibt. Die Kernkraftwerke und Zwischenlager verkommen so zu Endlagerstätten.

Im März 2011 wurde Japan gleich dreimal schwer getroffen: zunächst erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 das Land, dicht gefolgt von einem Tsunami, der weite Teile der östlichen Küstenregionen der japanischen Hauptinsel Honshu überschwemmte. In Fukushima fiel aufgrund der schweren Flutschäden die Kühlung der Reaktoren aus und ein Zugang wurde fast unmöglich. In der Folge überhitzten die Reaktoren trotz Abschaltung und in den Blöcken 1 - 3 kam es zu einer Kernschmelze. Nach einer Wasserstoffexplosion und den nachfolgenden Versuchen die Reaktoren mit Meerwasser zu kühlen, wurden große Mengen radioaktives Material freigesetzt. Allein die Menge an Jod entspricht dem 10-fachen der Katastrophe von Tschernobyl. 60.000 Menschen mussten ihre Region sofort verlassen. Insgesamt starben an den Folgen aller drei Katastrophen 18.000 Menschen.

Die Folgen wirken noch heute nach:

Hunderttausende mussten aufgrund der radioaktiven Verstrahlung ihre Heimat verlassen und in Notunterkünften leben. Mittlerweile versucht die japanische Regierung die Bewohner zur Rückkehr in die 30 km Zone zu bewegen, obwohl Messungen durch Greenpeace Experten zeigen, dass diese Region trotz  massiver Bemühungen nach wie vor erhöhte Strahlenwerte aufweist.

Das Münsterland:

Aber auch das Münsterland sollte sich nicht zu sicher fühlen. Viele ältere Reaktoren befinden sich in Frankreich und Belgien, zum Beispiel Tihange, welches für seine Risse in der Reaktorhülle bekannt wurde. Wie die Anschläge des 11. September 2001 und die Ermittlungen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von Brüssel zeigten, besteht auch hier ein Risiko. Im Falle eines Unglückes könnte auch die Region Münsterland eine strahlende Wolke erreichen. Daher führte die Greenpeace Gruppe zum 6. Jahrestag des Fukushima-Unglücks eine simulierte Katastrophenschutzübung vor dem Münsteraner Rathaus durch.

© C.Weber

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