Fahrradkorso für das Klima

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Korso für eine nachhaltige Mobilität
Münster, den 21.10.2017. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der schlechten Luftqualität in vielen Städten protestierten heute ca. 90 Demonstranten, darunter Vertreter von BUND, VCD, ADFC und Greenpeace, mit einer Fahrraddemo quer durch Münster für eine neue Mobilität.
 
Spätestens seit dem Dieselskandal ist klar, dass neue Verkehrskonzepte dringend notwendig sind. Nicht nur, dass fossile Energieträger nicht unerschöpflich sind sind – auch die gesundheitlichen Folgen der in der Luft enthaltenen Schadstoffe sind nicht zu unterschätzen. Denn Autoabgase sind allein in Deutschland Grund für 10.000 frühzeitige Todesfälle. Stickoxide, wie sie vor allem Dieselautos verursachen, reagieren in der Lunge zu reizenden und ätzenden Säuren. Selbst in der Fahrradstadt Münster liegt der Jahresmittelwert der Stickoxidmesswerte des Bundesumweltamtes bei 2 von 3 Stationen nur knapp unter dem EU-Grenzwert und deutlich über dem bereits kritischen Wert.
 
Wegen der Überschreitung der Grenzwerte wird Deutschland daher bereits von der EU verklagt. Dennoch wird die Blaue Plakette, die den einzelnen Städten ermöglicht, die schmutzigsten Diesel aus der Innenstadt zu halten, vom Bundesverkehrsministerium mit aller Kraft verhindert. Darüber hinaus gibt es einen verbindlichen Zeitplan für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, wie ihn andere Länder bereits vorgelegt haben, in Deutschland noch nicht. Doch genau der ist nötig, um die sture deutsche Autoindustrie zum Umdenken zu bewegen: Der Verbrennungsmotor, wie wir ihn heute kennen, hat keine Zukunft. Norwegen will deshalb ab 2025 nur noch Elektrofahrzeuge zulassen, Indien ab 2030; Großbritannien und Frankreich folgen ab 2040. Der schwedische Autohersteller Volvo will schon ab 2019 nur noch Hybrid- und Elektroautos herstellen.
 
Unabhängig von der Luftverschmutzung sind Autos jedoch auch im parkenden Zustand ein Problem: So rauben sie nicht nur den Bewohnern, sondern ironischerweise auch sich selbst den Platz, wenn beispielsweise kleinere Straßen zu Einbahnstraßen mutieren. Aus diesem Grund und wegen des ebenfalls enormen Ressourcenverbrauchs sind auch die mit erneuerbaren Energien betriebenen Elektroautos am besten in Bus und Bahn sowie in geteilten Autos aufgehoben.
 
Weitere Lösungen liegen auf der Hand: Durch Förderung und konsequenten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, des Car Sharings, des weiteren Ausbaus und der Priorisierung des Radverkehrs, sowie der Schaffung autofreier Zone, in ländlichen Gebieten auch durch Nach­bar­schafts­hil­fe oder den Einsatz von Kleinbussen und Taxis auf Zuruf, ließe sich die Blechlawine eindämmen.
 
Zwar gilt Münster oft als sehr fahrradfreundlich und tatsächlich gelangt man mit dem Fahrrad oft schneller ans Ziel als mit dem Auto. Allerdings könnte gerade bei der großen Anzahl Fahrradfahrer/innen in der Stadt, durch die der Fahrradverkehr einen größeren Anteil am Gesamtverkehr ausmacht als der PKW-Verkehr, noch einiges verbessert werden. Denn zahlreiche Einschränkungen trüben das Bild: So ist der Platz auf Radwegen meist zu knapp, die Ampelschaltungen sind angepasst an die Geschwindigkeit der Autos und an vielen Kreuzungen der Promenade haben die Autos Vorrang.
 
Tatsächlich hat die Stadt Münster dies anscheinend alles erkannt und in dem „Masterplan 100% Klimaschutz“ festgehalten. Mit diesem soll Münster bis 2050 auch im Bereich der Mobilität klimaneutral werden. Die Rede ist von autofreien Innenstädten, klimafreundlichem, Öffentlichem Nahverkehr, dem Ausbau der Fahrradinfrastruktur und einer Stadt komplett ohne Verbrennungsmotoren. Nun soll ein neues Mobilitätskonzept ausgearbeitet werden, leider noch ohne eine konkrete Frist.
 
Daher trotzten heute annähernd 90 Teilnehmer dem Nieselregen, um mit ihren Fahrrädern ein Zeichen zu setzen.
 
Unsere Forderungen:
  •     Ergreifen aktiver Maßnahmen, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen
  •     Ausbau von Rad- und Fußverkehr
  •     Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs
  •     Stopp der Neuzulassung von Verbrennungsmotoren ab 2025
 
©  C.Weber, S.Lange, E.Kintrup

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Greenpeace Deutschland: Verkehrswende

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